Schildkrötenforum > Wasserschildkröten und Sumpfschildkröten
p1 Stefan (Gast)
Bei meinen Wasserschildkröten ist das Wasser nach zwei tagen wieder dreckig
01.01.2012 17:13
p2 Robbe
Hi!
Dann solltest Du anfangen das Wasser gescheit zu filtern.
Infos gibt es hier:
http://www.zierschildkroete.de/pages/filterung.php
Grüße,
Robet
Dann solltest Du anfangen das Wasser gescheit zu filtern.
Infos gibt es hier:
http://www.zierschildkroete.de/pages/filterung.php
Grüße,
Robet
Don't Wapel the Horst
01.01.2012 17:52
p3 Fugo
Zitat von Stefan
Bei meinen Wasserschildkröten ist das Wasser nach zwei tagen wieder dreckig
Die Informationen auf "Zierschildkröte.de" sind zwar mal so etwas wie ein Blick in die richtige Richtung, allerdings keineswegs sehr umfangreich und fundiert, und schon gar nicht ausreichend.
Deshalb hier mal das Patentrezept, wie es es ganz sicher funktioniert, und wie du dein Problem dauerhaft lösen kannst:
Man braucht für Wasserschildkröten ein sehr großes Filtervolumen, sehr leistungsstarke Außenfilter und gutes biologisches und chemisches Filtermaterial. Darüber hinaus ist es äußerst empfehlenswert, sich einen UV-C Klärer anzuschaffen.
Bezüglich Filtergröße und -leistung darf man sich in keiner Weise an den Maßgaben orientieren, die für Zierfischaquarien gelten, denn ein Schildkrötenaquarium braucht ein Vielfaches davon.
Außenfilter:
Gute, große Außenfilter sind z. B. der "Hagen Fluval FX5" oder der Eheim 2080. Den "Fluval FX 5" finde ich sehr gut. Ein sehr großer, leistungsstarker, zuverlässiger und dabei sehr leiser Filter, der zudem völlig problemlos und einfach zu handhaben ist.
Je nach Art und Anzahl der Schildkröten ist es auch alles andere als ein Fehler, zwei, vielleicht sogar drei dieser Geräte einzusetzen. Oder die Filterung mit einem weiteren, nicht ganz so groß dimensionierten, aber dennoch sehr leistungsstarken Filter zu ergänzen. Z. B. mit dem JBL Cristal Profi e1900.
Das braucht man schon an Außenfilterung! Weniger ist nicht toll. Aber mit einer guten Außenfilterung macht das Halten von Schildkröten erst wirklich Freude. Auf diese Weise hast du immer gesunde, vitale Tiere und ein immer schönes Aquarium mit stets sauberstem Wasser. Und du hast, gleichzeitig, dann kaum noch Arbeit damit.
Filtermaterial:
Man setzt am besten eine Abfolge von drei bis vier Filterstufen ein, durch die das Wasser, das aus dem Aquarium kommt nacheinander fließt:
mechanische => biologische => biologisch-chemische => chemische Filterstufe.
Mechanische Filterung:
Als erste Stufe sollte man mechanisches Filtermaterial verwenden, hier werden zunächst die groben Bestandteile ausgefiltert. Der Fluval FX5 verfügt bereits über voluminöse Schaumstoffteile, die die Vorfilterung übernehmen. Ich verwende zur Vorfilterung außerdem "Eheim Ehfifix". Das ist ein Filtergeflecht, das man nach Belieben auseinanderziehen oder verdichten kann. Nach meiner Erfahrung ein hervorragendes Material zu Vorfilterung.
Biologische Filterung:
Hier braucht man geeignetes Material, auf dem sich mit der Zeit Filterbakterien in ausreichender Zahl ansiedeln können, die dann im Wasser vorhandene Schadstoffe vertilgen.
Am besten dafür geeignte sind Sinterglasringe. Diese haben auf Grund deren feinstreliefierter Oberflächenstruktur eine unglaublich große Gesamtoberfläche, so dass sich dort ein Vielfaches der Anzahl an Filterbakterien ansiedeln kann als das bei herkömmlichen Keramikringen der Fall ist.
Wichtig dabei ist, dass das Wasser, bevor es durch die Sinterglasringe läuft, durch ein Schaumstoffpad oder Filterwatte fließt, damit Schwebeteilchen aufgefangen werden. Ansonsten setzen sich nämlich die Sinterglasringe mit Schwebstoffen zu und verlieren einen Großteil ihrer Wirkung.
Damit sich Filterbakterien ansiedeln, braucht man überhaupt nichts zu tun, als den Außenfilter einfach in Betrieb zu nehmen. Die Filterbakterien kommen und vermehren sich mit Zeit von alleine.
Es gibt im Handel zwar auch Spezialpräparate zur Beschleunigung der Bakterienbildung, auch "Starterbakterien" o. ä.. , diese sind nach meiner Erfahrung aber völlig überflüssig und auch ziemlich nutzlos. Das Geld und den Aufwand kann man sich sparen.
Nach Inbetriebnahme des Außenfilters dauert es ca 1-2 Wochen, bis sich eine so große Anzahl von Filterbakterien gebildet hat, dass die biologische Filterung funktioniert. Richtig gut "eingefahren", d. h. mit einer großen Zahl von Filterbakterien besetzt, ist ein Filter dann nach mehreren Monaten.
Die Filterbakterien reinigen und klären das Wasser, indem sie sich von darin enthaltenen Schadstoffen ernähren. Sie ernähren sich sozusagen von den Ausscheidungen der Schildkröten. Besonders wichtig dabei ist, dass das durch die Schildkrötenausscheidungen entstehende Nitrat dadurch ausgefiltert wird.
Im Übrigen ist der weit verbreitete "Tipp", man solle den Filter mit Filterschlamm aus dem Filter eines befreundeteten Aquaristen "animpfen" meiner Ansicht nach alles andere als gut. Der Gedanke dabei ist, dass sich im Filterschlamm eines bereits gut "eingefahrenen" Filters eine sehr große Menge an Filterbakterien befindet, die sich dann schnell vermehren, wenn man diesen fremden Filterschlamm in seinen eigenen Außenfilter einbringt. Dieser Gedanke ist zwar - in Grenzen -richtig. ABER: Dadurch besteht die sehr große Gefahr, dass man sich Bakterien/Parasiten/Krankheiten aus dem fremden Aquarium einschleppt und die Schildkröten dann krank werden. Das würde ich auf gar keinen Fall riskieren!
Im Übrigen können die Tiere, die man selbst hat auch dann durch eingeschleppte Krankheitserreger erkranken, wenn die Tiere des befreundeten Aquaristen nicht, oder nicht erkennbar, krank sind.
=> Keinen fremden Filterschlamm in den Außenfilter!
Biologisch-Chemische Filterung:
Hier würde ich Zeolith verwenden. Zeolith ist ein Naturgestein, das als, zu Recht, als "Aquaristisches Wundergestein" gilt.
Einerseits verfügt Zeolith über eine sehr feinporige Oberflächenstruktur, so dass sich dort eine große Zahl von Filterbakterien ansiedeln kann. Es ist somit sozusagen eine Erweiterung der biologischen Filterstufe.
Andererseits filtert Zeolith durch Ionenaustausch das Wasser chemisch. Aber keine Panik: Dem Wasser wird dadurch keine Chemie zugeführt, schon gar keine künstliche.
Wenn man die chemische Reinigungsfähigkeit erhalten will, sollte man Zeolith ca. alle drei Monate regenerieren. Dazu legt man den Zeolith 24 Stunden lang in Wasser, in dem jodfreies (!) Salz aufgelöst ist, ein. Den Zeolith danach gründlich unter fließendem Wasser abwaschen, und er ist wieder einsatzbereit.
Den Zeolith sollte man, trotz Regenerieren, spätestens nach zwei Jahren durch neuen ersetzen.
Chemische Filterung:
Hierfür ist das chemische Filtermaterial "Lewatit MP 600", auch: "M 600" mehr als nur sehr zu empfehlen.
"Lewatit MP 600" ist ein Kunstharz, das Nitrat fast restlos aus dem Wasser filtert. Und das ist gerade für Schildkrötenaquarien äußerst wichtig, da Schldkröten im Vergelich zu Fischen - eben - eine sehr große Menge an Ausscheidungen produzieren.
Das "Lewatit MP" 600 füllt man am besten in mehrere übereinandergestülpte Damenstrümpfe und bringt es als letzte Filterstufe in den Außenfilter ein.
Wichtig ist, dass das Wasser, bevor es den "Lewatit MP 600" durchfließt, nochmals durch ein Schaumstoffpad oder Filterwatte fließt, damit die Poren des Lewatit nicht durch Schwebstoffe verstopft werden.
"Lewatit MP 600" muss man ca. alle 6 Monate regenerieren.
Dazu legt man den Damenstrumpf mit Lewatit in eine starke Salzwasserlösung (ca. 100 g jodfreies (!) Salz pro 1 Liter Wasser) und knetet den Lewatit alle paar Stunden mal kräftig durch.
Danach gründlich unter fließendem Wasser durchspülen und er ist wieder einsatzbereit.
Die Lebensdauer von "Lewatit MP 600" ist sehr lang: Ca. fünf bis sechs Jahre.
UV-C-Klärer:
Ein UV-C Klärer ist ein Metall- oder Plastikrohr, in der eine Röhre brennt, die UV-C Licht abgibt. Die UV-C Strahlen töten so gut wie alle Keime, die im Wasser enthalten sind ab.
Den UV-C Klärer schließt man mit einem Aquariumschlauch an der am Ausfluss des Außenfilters an, so dass das Wasser, das vom Außenfilter kommt, durch die den UV-C Klärer fließt. Am Ablauf des UV-C Klärers schließt man ebenfalls einen Aquarienschlauch an, der das Wasser dann zurück ins Aquarium leitet.
UV-C Klärer sind sehr zu empfehlen und minimieren das Krankheitsheitsrisiko für die Schildkröten enorm.
Jährlich ein Mal muss man die UV-C Röhre wechseln, ansonsten bedarf ein UV-C Filter keiner Wartung.
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So funktioniert das garantiert, zu 100 % sicher. Das kostet, insgesamt, zwar ein paar hundert Euro, deine Schildkröten werden es dir aber danken. Und zwar durch Gesundheit, Vitalität und Agilität.
Außerdem tust du dir damit selbst etwas sehr Gutes: Mit einer solchen Anlage minimierst du die Anzahl der Wasserwechsel auf ein Minimum. Damit hast du kaum noch Arbeit. Und vor allem: Du hast immer völlig sauberes, klarstes Wasser und damit ein sehr schönes Aquarium.
Große. leistungsstarke Außenfilter, wie z. B. der "Hagen Fluval FX 5" müssen im Übrigen so gut wie nie gereinigt werden. Normaler Weise höchstens ein Mal pro Jahr.
Und ein Hinweis noch: Es ist nicht einmal gut, den Filter zu oft zu reinigen, da man dadurch die Filterbakterien entfernt. Deshalb: Wenn man den Filter mal reinigt, niemals zu gründlich sauber machen und schon gar nicht klinisch rein putzen!
Viel Freude mit Deinen Schildkröten!
01.01.2012 20:30 | geändert: 01.01.2012 20:55
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